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The Life of George M. Lamsa

Posted: Tuesday, July 26, 2011 at 07:47 AM CT


George M. Lamsa

Book Details

Publisher: Aramaic Bible Society
Published Date: 1966
Language: English
Unknown Binding: 24 pages
ASIN: B0007FD5GO

Book Description

Review of The Life of George Lamsa
by Metamind.net

George M. Lamsa, a native Assyrian, renowned scholar of the scriptures, lecturer and author, F.R.S.A. was born August 5, 1892, in a civilization with customs, manners, and language almost identical to those in the time of Jesus. His native tongue was full of similar idioms and parables, untouched by the outside world in 1900 years.

Until World War I, his people living in that part of ancient biblical lands which today is known as Kurdistan, in the basin of the rivers Tigris and Euphrates, retained the simple nomadic life, as in the days of the Patriarchs. Only at the beginning of the 20th century did this isolated segment of the once great Assyrian Empire learn of the discovery of America and the Reformation of Germany.

Likewise, until that same time, this ancient culture of early Christians was unknown to the western world, and the Aramaic (Syriac) language was thought to be dead. But in this so called "Cradle of Civilization," ancient biblical customs and Semitic culture, cut off from the world, were preserved.

Lamsa's primary training as a boy was to tend the lambs. But, as the first-born son in his family, while yet an infant, he was dedicated to God by his devout mother. Years after her death, when Lamsa was 12, her vow was renewed by native tribesmen when an ox was killed and its blood rubbed on his head. This vow to God, Lamsa claims, has always been part of him. "God's Hand," he affirms, "has been steadfastly on my shoulder, guiding me in His work."

Lamsa's formal studies began under the priests and deacons of the ancient Church of the East. Later he graduated with the highest honors ever bestowed from the Archbishop of Canterbury's Colleges in Iran and in Turkey, with the degree of Bachelor of Arts. Lamsa was never married, but dedicated his life to God's Calling."

At the beginning of World War I, when Turkey started invasions, Lamsa left and went to South America. Living was hard during those years; he knew only three words in Spanish -- water, work and bread. As best he could he existed in the British Merchant Marine for a time, then worked on railroads, in mines, and later in printing shops, a trade he had learned in college.

After arriving in the United States, in his early 20's, Lamsa worked as a printer by day, and by night went to school. He later studied at the Episcopal Theological Seminary in Alexandria, Virginia, and at Dropsie College in Philadelphia.

It was through his struggles with the idioms of English, during these years, that Lamsa gradually launched into his life's work of translating the Scriptures from Aramaic (Syriac) into English, yet many years were to pass before the world received his translations.

First as a lecturer in churches and seminaries, in halls and auditoriums, before statesmen, theologians, groups of artists, actors and others, Lamsa received recognition as a poet-philosopher, and as an authority on all phases of Eastern civilization.

It was his own inner compulsion, and the urgings of hundreds who heard him, that drove him forward, and brought about, after 30 years of labor, research and study, his translation of the Holy Bible from a branch of the ancient Aramaic language, used by Christians from earliest times; it is a known fact that Jesus and his followers spoke Aramaic.

There were times when he was temporarily stopped in his translations, when the idioms in the manuscripts would not be given correct English meaning.

Lamsa relates, "Often I would lie on the bed with the script before my eyes (he has a photographic memory which retains chapter after chapter of biblical passages), and suddenly the translation would come, the English words would fall into place.

"I discovered that the words in the Bible contain power, that they are charged with the Holy Spirit. Everything comes and passes away, but God's Truth endures forever."

It was Lamsa's firm belief that his translations will bring people nearer to the Word of God, and will facilitate understanding between East and West.


German translation

Das Leben von George. M. Lamsa

Diktiert von George M. Lamsa, herausgegeben von Tom Alyea

Revidiert 1966

The Aramaic Bible Society, Inc.
1912 Highway 142 East
Covington, Georgia 30209-9230 USA

 

Im Garten Eden

G´tt allein weiß um den Anfang der Lebensgeschichte George M. Lamsas, doch können wir sie getrost mit einer Frau beginnen lassen, einer Frau namens Sara. Sie hatte keinen Nachnamen; auch nicht, als sie einen Schafhirten namens Jando heiratete. Sie verstand, dass ihr Lebenszweck darin bestand, ein männliches Kind zur Welt zu bringen, das, so gelobte sie, G´tt geweiht werden sollte. Dies war ihr Gebet und sie betete es oft am Tag, selbst als sie Lamsa bereits in sich trug.

Irgenwann gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts, unter einem schwarzgefärbten Zelt in der Gegend des Garten Eden bekam Sara ihren Wunsch. Indem er das Blöken der Schafe übertönte, kündigte der Knabe, für den sie gebetet hatte, seine Ankunft in die Welt an.

Das Terrain des Garten Eden ist von der Bibel und modernen Forschern genau lokalisiert worden. Es wird durchzogen und begrenzt von den Flüssen Euphrat, Tigris, Gishón und Pishón . Dieses Gebiet war später ein Teil des großen Assyrischen Reiches. Heute ist es aufgeteilt zwischen der Türkei, Iran und Irak. Dies ist die einzige Region  der Welt, die mit jeglicher Art von Fruchtbäumen gesegnet ist (außer Orange) sowie mit Gemüsesorten, die dort auf ganz natürliche Weise und ohne Handanlegung des Menschen wachsen. Ganze Berghügel sind voller Rhabarberstauden, Spargelpflanzen, Weizenfelder, Erbsen und anderen Gemüsear-ten, die in anderen Teilen der Erde ohne ständige Pflege verkümmern würden. Es gibt heute noch einen Ort in der Nähe, welcher Beth d´Edan heißt, zu Deutsch „Haus in Eden“. Diese Gegend ist berühmt für ihre hohen Berge, ihre Hügel, ihre Ebenen und fruchtbaren Täler mit Bächen und kristallklaren Strömen, die sie durchziehen. Dies war die friedliche Welt des Überflusses, welche Lamsa als Kind kennenlernte.

Sara und Jando gehörten dem Stamm der Mamisho an, einer von tausenden Nomadenstämmen, die die ur-zeitliche biblische Landschaft mit ihren Schafherden durchwanderten. Sie tun dies heute noch. Seit mehr als 4000 Jahren ist die Schafzucht ihr traditionelles Gewerbe. Dies ist der einzige Ort in der Welt, wo die Gebräuche und die Sprache seit den Tagen Abrahams und der Väter die gleichen geblieben sind. Würde Abraham morgen aus dem Grab erstehen, so würde er nicht im Geringsten bemerken, dass inzwischen Jahrhunderte vergangen sind. Hier, in seinem angestammten Wohngebiet, würde er alles vorfinden, was er zu seinen Lebzeiten kannte: dieselben Werkzeuge, dasselbe Geschirr, Essen und Kleidung und dieselbe Sprache.

Das Geburtsdatum von Lamsa ist nicht bekannt. Zeit war für diese Menschen unwichtig und wurde daher nie aufgezeichnet. Daten waren praktisch nicht vorhanden, und der einzige Bezug zu einem bestimmten Datum war seine Erwähnung zur Zeit der Regentschaft eines bestimmten Herrschers bzw. im Rahmen eines besonderen Ereignisses durch den Amtsschreiber.

Über sechs, sieben Monate während der Sommerzeit folgen die wandernden Stämme den grasenden Schafen durch Täler und Ebenen.

Der Ort Mar Bisho diente dem Stamm Lamsas als Winterquartier, und hier brachte Sara ihren jungen Sohn in die Kirche zu seiner offiziellen Weihe. Ein Ochse wurde geschlachtet, sein Fleisch wurde gekocht und den Leuten gegeben und etwas von dem Blut wurde dem jungen Lamsa auf die Stirn gegeben; auf diese Weise wurde das Gelübde, das seine Mutter getan hatte erfüllt.

Im Alter von vier Jahren wurde Lamsa in eine kleine presbyterianische Schule gegeben, die am Ort ihre Pforten geöffnet hatte. Hier lernte er das aramäische Alphabet zu lesen. Er war sich ständig des Gelübdes seiner Mutter bewusst und seine Liebe zu ihr steigerte den Wunsch zu lernen. Von Anfang an setzte er seine Lehrer in Erstaunen durch seine Fähigkeit, das Gelernte zu behalten und durch sein hohes Lerntem-po. Ein Jahr später wurde er der persönlichen Fürsorge eines Diakons unterstellt. Die Schule stellte Lehrer und Lehrmaterial und Lamsa besuchte die Klasse frühmorgens und kehrte abends dann nach Hause zurück. Die Winterquartiere waren primitiv und ohne Heizung, daher war es ein Leichtes, den jungen Lamsa morgens in die Schule mit ihren angewärmten Klassenraum zu bewegen.

Lamsa liebte seine Schulaufgaben und bald schon konnte er Wörter in den beiden Sprachen Aramäisch und Hebräisch lesen. Diese beiden Sprachen ähneln sich sehr stark, so wie das britische Englisch dem amerika-nischen Englisch. Der Ausdruck „Hebräer“ bedeutet im Aramäischen „die vom jenseitigen Ufer“. Er ist ab-geleitet von dem Verb „abár“ oder „ebér“ (=hinübersetzen). Der Name wurde dem Abraham beigelegt, weil er den Euphratstrom mit seinem Gefolge überquerte, um westwärts nach Kanaan zu gelangen. Da-raufhin wurden sie von ihren Verwandten östlich des Stroms Hebräer, oder „die vom jenseitigen Ufer“ ge-nannt.

Vor dem Ersten Weltkrieg war es Frauen im Allgemeinen nicht erlaubt, zur Schule zu gehen und daher war Sara jedesmal erstaunt, wenn Lamsa ihr geschriebene Wörter entzifferte.

Eines Tages kam ein jüdischer Händler in das Dorf, um Nadeln und andere alltägliche Gebrauchswaren zu verkaufen. Plötzlich merkte er, dass es Klein-Lamsa irgendwie gelungen war, sich in den Besitz seines Geschäftsbuches zu bringen, in welchem er alle seine Verkäufe sowie die Namen der Käufer, die ihm Geld schuldeten aufgelistet hatte. Der Geschäftsmann machte mehrere Versuche, sein Eigentum zurückzuerlangen, doch ohne Erfolg. Nachdem er eingesehen hatte, dass alles Schmeicheln und Versprechen von Geschenken Lamsa nicht zum Einlenken bewegen konnten, ging er zu raffinierterer Taktik über. Immer noch das kleine Büchlein um-klammert haltend beobachtete Lamsa genau jede Bewegung des klugen Juden. Dieser nahm von seinen Waren ein Stück billiges Papier, in das er seine Verkaufsartikel einzuwickeln pflegte. Er faltete es, faltete es wiederum und nochmals in der Mitte, dass es wie ein Buch aussah. Lamsa willigte in den Handel ein und erwarb so sein erstes Buch – Seiten dünnen, gefalteten Papiers. Es war seine erste Liebe – Bücher – und er war überglücklich.

Bevor Lamsa sein zweites Schuljahr beenden konnte, tat sich sein gesamter Familienclan von mehreren hundert Mitgliedern mit anderen christlichen Stämmen in einem Akt der Verzweiflung zusammen, um über die Grenze in den Iran zu gelangen.  Um sie herum waren kurdische Völkerschaften, die Mohammedaner waren – wenn sie  überhaupt etwas waren -, dreimillionenstark. Es waren meist unkultivierte räuberische Stämme, die aufgrund des strengen Winters bereits mit ihren Überraschungsangriffen auf ihre christlichen Nachbarn begonnen hatten, begleitet von Plünderungen und Morden. Viele Christen konnten nach Iran entkommen und so ihr Leben retten, doch ein Großteil ihres Viehbestandes und ihres Besitzes waren verloren. Tiefer Schnee bedeckte die Zugangswege und viele litten durch Hunger und Kälte. Lamsa bekam einen Stock und man wies ihn an, im Schnee nach Wurzeln zu graben. Er lernte auch, sich von der nährstoffreichen rote Erde zu ernähren, um an die richtigen Mineralien zu kommen. Am schwersten hatte es Sara, die bereits mehrere Monate mit einem Kind unterwegs war. Kurz nachdem sie zu den anderen Christen im Iran stießen, starb Sara. Sie hatte sich nie völlig von der Reise erholen können. So geschwächt starb sie, als sie einem weiteren Baby zur Geburt verhelfen wollte. Das Baby starb ebenfalls.

Da Lamsa so eng mit seiner Mutter verbunden war, hielten Freunde und Verwandte die Nachricht vom Tod seiner Mutter zunächst von ihm fern. Als er nach ihr fragte, sagte ihm seine Großmutter, dass sie bei den Schafen sei und in ein paar Tagen oder Wochen zurückkommen werde. Lamsa spielte mit ein paar anderen Kindern, ohne zu ahnen, dass die Begräbniszeremonie, die sich in der Nähe abspielte seiner Mutter galt. Jeden Tag fragte Lamsa nach Sara, und jeden Tag bekam er dieselbe Antwort. Ein Jahr später wurde Lamsa von seiner Großmutter zum Grab seiner Mutter geführt, wobei sie weinte. Indem sie vor dem Kind auf ihre Knie ging, versuchte sie ihm zu erklären, dass er hinfort nicht mehr zwischen den Schafen nach seiner Mutter suchen sollte – sie war hier, in dieser Erde. Durch das Weinen fiel ihr das Sprechen schwer. Endlich konnte sie ihm klarmachen, dass seine Mutter tot war und er sie hier auf Erden nie mehr würde sehen können, erst wieder im Himmel. Auf diese Weise lernte Lamsa den Tod kennen. Er hatte ihn gesehen, wusste aber nicht, was es damit auf sich hatte, bis zu diesem Moment. Er erkannte, dass seine Mutter sein einziges Leben bedeutet hatte und mit der gemeinsamen Verbundenheit war da eine Einheit, die jetzt mit einem Mal – mit dieser einen Erkenntnis – unwiederbringlich aus seinem Herzen gerissen wurde. Seine Großmutter zog ihn an sich und sie weinten beide.

Das Wunder einer Verwechslung

Um das Gelübde von Sara einzuhalten, wurde der Junge Lamsa von seiner Großmutter und von Freunden auf eine andere kirchliche Schule geschickt und dort lernte er bis zum Alter von Neun. Er wusste bereits  viele Bibelstellen auswendig, denn die Aramäischen Schriften stellten im Wesentlichen das Lehrmaterial dar. Die Schule war ihm sehr teuer geworden. Zudem waren Schüler sehr schwer zu bekommen, so dass die Schule den Eltern ein Ballen Stoff (= etwa 2,70 Meter) anbot, wenn sie ihre Knaben zur Schule schick-ten. Das fiel diesen allerdings schwer, denn, wenn die Knaben ausgelernt hatten, gab es nichts, was sie hät-ten ausüben können. Als Schafhirte oder als Krieger, um den Stamm zu beschützen, waren sie dann nicht mehr zu gebrauchen.

Lamsa lernte mit Fleiß und wäre gerne das ganze Jahr zur Schule gegangen, auch während der Sommerzeit, doch das war nicht möglich. Im folgenden Frühling war er wieder, wie sein gesamter Stamm hinter den Schafen her auf den Beinen. Dabei war das eigentliche Schafehüten bei ihm eher selten und so bekam er auch seinen Vater kaum zu Gesicht. Gelegentlich kam dieser ins Lager für eine Unterredung mit den Ältes-ten und dann sah ihn sein Heranwachsender. Mehrere Stämme formten ein Lager und die Schafhirten hatten meist damit zu tun, Streitigkeiten zu schlichten, kranke Schafe zu verarzten oder nach den Verlore-nen zu suchen. Das Leben eines Schafhirten ist sehr arbeitsintensiv. Er muss sich in der Wasserversorgung auskennen, mit den Regenzeiten und den Weideplätzen. Darüberhinaus muss er zumindest grob schätzen können und das Wetter mit Hilfe von tradierten Naturbeobachtungen bestimmen können. Für die Verant-wortlichen bedeutete jeder Tag während des Winters daher zusätzliche Arbeit zur Obhut über ihre Schafe. Mit einem stark vereinfachten Berechnungssystem für die Naturabläufe waren sie in der Lage, bestimmte Tage in der nächsten Sommerperiode im Voraus zu bestimmen. Sie waren darin erstaunlich präzise. Zuwei-len erhielten sie eine Prophezeiung oder entschieden nach Träumen, die sie hatten. Ihr Glaube ist ein we-sentlicher Zug in ihrem Leben; darum werden sie auch von G´tt geleitet. Die Gesetze der Natur und die Gabe der Prophetie durch den Glauben werden vom Vater an den Sohn weitergegeben.

Gegen Ende seines neunten Lebensjahres kehrte Lamsas Stamm zu seinem angestammten Ort Mar Bisho zurück. Als er eines Tages seinem Vater dabei half, auf einem Hügel Gras für die Schafe zu mähen, näherte sich ihnen ein Engländer zu Pferde mit einem Diener. Es war der erste Ausländer, den der Junge je zu Ge-sicht bekommen hatte. Er war so gekleidet, als wäre er eben erst aus einem Hörsaal von Oxford gekom-men. Es war die Sitte in jenen Tagen, bei der Ankunft eines Fremden ihm ein Stück Brot oder Salz zu reichen. Alles was der junge Lamsa hatte war ein Büschel Gras und so reichte er es ihm für sein Pferd. Lam-sa war stark beeindruckt. Der Mann bat Lamsa, ihn einmal im Dorf zu besuchen. In dieser Nacht konnte Lamsa kaum schlafen. Er dachte an den geistreichen Fremden, seine merkwürdige Kleidung und seine großartige Einladung. Er wollte ihm viele, viele Fragen stellen und mit ihm über Vieles sprechen. Früh am nächsten Morgen rannte der Junge ins Dorf und rief den Mann an. Es war Rev. Oswald Parry, ein Nachkom-me jenes Mannes, der Parry Islands entdeckt hatte. Reverend Parry erinnerte sich des Jungen, welcher ihm das Bündel Gras gereicht hatte und er gab dem jungen Mann zwei Kironen, was damals dem Wert von 40 Cent (Amerikan. Währung) entsprach. Das war das erste Geldstück, das Lamsa in seinem Leben sah. Es würde ihn mit dem Wert von 2 iranischen Dollar an Kleidung oder einem Scheffel Weizen (ca. 40 Kilo-gramm) versorgen. Der Reverend war in den Ort gekommen, um ein paar Jungen aus der Gegend zu einer weiterführenden Schule, die ihre Pforten in Urmiah, Iran öffnen sollte mitzunehmen. Urmiah ist eine der schönsten Städte der Welt. Es liegt in der Nähe eines riesigen Salzsees, welcher etwa 80 Kilometer breit und 240 Kilometer lang ist. Die Stadt selbst liegt in einem Gebirgstal, etwa 1.200 Meter über dem Meeres-spiegel.

Reverend Parry legte etwa 20 Jungen allgemeine Prüfungsfragen vor und Lamsa war unter den Fünfen, die für den Besuch der Schule ausgewählt wurden. Die Reise zu Fuß dauerte drei Tage. Bei seiner Ankunft stell-te Lamsa fest, dass einer der Unterrichtenden einen persönlichen Groll gegen die Familie Lamsas hegte, und jener Lehrer ging tatsächlich zum Leiter der Schule und drohte mit seiner Kündigung, falls Lamsa zuge-lassen werden sollte. Jahre bevor Lamsa zur Welt kam gab es einen Streit zwischen den beiden Familien und der Lehrer behielt seinen Groll. Es herrschte damals ein Mangel an Lehrern und plötzlich tat sich ein Problem auf.

Lamsa wurde in ein Gästezimmer geführt und man sagte ihm, er müsse nach Hause zurückkehren, sobald die nächste Karawane aufbrechen würde. Die Tür wurde verriegelt und Lamsa allein und in Tränen zurück-gelassen. Etwa eine halbe Stunde später kam ein weiterer weinender Junge ins Zimmer. Er war Sohn eines Dorfvorstehers aus einer anderen Gegend und wollte nicht zur Schule gehen. Er weinte, weil er wieder nach Hause wollte und Lamsa weinte, weil er bleiben wollte. Die beiden Jungen blieben für etwa sieben, acht Stunden in dem Raum und Lamsa wurde mitgeteilt, dass die nächste Karawane in seinen Heimatort erst in etwa drei Tagen abreisen werde.

Am zweiten Tag kam ein gewisser Reverend Seazel, um den anderen Jungen aufzusuchen. Seazel war ein hochgewachsener, gutaussehender Engländer. Er war gekommen, um den Jungen zu einem Verbleib in der Schule zu überreden, da er den Vater des Jungen kannte und sich dem Elternteil gegenüber verantwortlich fühlte. Der Dorfälteste hatte darauf bestanden, dass sein Sohn zur Schule gehen sollte. Der Engländer hielt Lamsa irrtümlich für den anderen Jungen und bat ihn, sich zu ihm zu setzen und mit dem Weinen aufzuhö-ren. Er sagte Lamsa, dass die Schule ein wunderschöner Ort sei und dass er sich dort wohlfühlen würde. Er würde begnadet sein durch die Ausbildung, die er hier bekäme, so dass er auf Reisen gehen und dabei vie-le wunderbare Dinge kennenlernen könnte und sehr glücklich sein würde. Auch gab er ihm zu bedenken, dass viele Menschen zu ihm aufblicken würden, dass er viele Freunde auf der Schule haben könnte und dass das Land viele gescheite junge Leute wie ihn bräuchte, um es zu führen und zu lenken. Lamsa erkann-te sofort, dass der Engländer den Falschen ansprach, doch er sagte kein Wort. Dieser nahm Lamsa bei der Hand und führte ihn aus dem Zimmer, glücklich darüber, dass er den Jungen hatte überzeugen können, in der Schule zu bleiben. Der andere Junge wurde mit der Karawane fortgeschickt.

Erst zwei Tage später wurde der Irrtum bemerkt, doch in der Zeit hatte Lamsa bereits einen starken Eindruck auf einen englischen Ausbilder mit Namen Langdon gemacht. Die Schule insistierte, dass Lamsa weiterhin nach Hause geschickt werden sollte, doch Langdon hatte Gefallen an dem jungen Studenten gefunden und teilte mit, er werde den Dienst quittieren, falls Lamsa ausgeschlossen werden sollte. Es ent-stand eine Pattsituation, in der die Schule schließlich nachgab. Lamsa blieb für neun Jahre an der Schule, und jedes Jahr war er der Beste seiner Klasse.

Engländer durften an der Schule keinerlei Theologie lehren. Wegen Differenzen im Lehrplan wurde das Fach Religion von einheimischen Lehrern unterrichtet. Wenn sie also wollten, dass die Schule für Studen-ten geöffnet blieb, mussten sie Leute vor Ort als Lehrer zulassen, die die Studenten in ihrem Glauben un-terwiesen. Man fand später heraus, dass die Schule als Tarnung für ausgedehnte Erkundungen in diesem Teil des Landes durch die Briten diente. Während ihres Aufenthaltes machten diese Engländer mehrere Erdöl- und Mineralfundstätten aus und brachten viel über die Gebräuche der Bewohner in Erfahrung, indem sie Lagepläne über die Region erstellten.

Der Schulalltag war sehr streng geregelt. Jeden Morgen um fünf Uhr musste jeder in die Kirche gehen, und die G´ttesdienste dauerten zwei Stunden. Um sieben Uhr gab es Frühstück und um acht begann der Unter-richt. Es herrschte eiserne Disziplin und es war keinem Jungen erlaubt, gegen die Regeln zu verstoßen. Wenn ein Junge nicht zur Kirche erschien, schlugen die Ausbilder auf seine Hände. Es gab viele Dinge, die bestraft wurden und jedesmal war es brutal und streng. Wenn ein Junge dabei ertappt wurde, einem Mäd-chen hinterher zu sehen, wurde er bestraft. An der Schule gab es keine Mädchen, aber man konnte sie oft vorbeigehen sehen. Einmal wurde ein sehr hübscher Junge, ein Freund und Klassenkamerad Lamsas aus seinem Heimatort ausgepeitscht. Der Junge musste mehrere Tage im Bett zubringen, ohne sich bewegen zu können. Dies erschreckte den jungen Lamsa. Die Bestrafung ereilte ihn, weil er zu einem anderen gesagt hatte: „Eines Tages werde ich deine Schwester küssen.“ Eine Bemerkung wie diese über eines anderen Mannes Schwester, Frau oder Mutter zu machen war eine der gröbsten Anstößigkeiten und der Mann, der diese Äußerung getan hatte, wurde in den meisten Fällen getötet. In Lamsas Heimatland ist dies selbst heute noch so.

Oftmals kamen Mädchen zu den Sonntagsg´ttesdiensten und setzten sich dann in die hintere Reihe. Die Lehrer standen vor den Jungen, mit einem Stift in der Hand, um jeden aufzuschreiben, der sich nach ihnen umdrehte; derjenige wurde dann heftig geschlagen. Der Grund für diese strenge Maßregelung war der Um-stand, dass die Schule sich in einem moslemischen Land befand, und man wollte, dass das Betragen der Jungen tadellos und über jede Kritik erhaben war. Dies war eine religiöse Schule, was bedeutete, dass die Studenten neben ihrem Lernpensum und dem täglichen Gebet auch regelmäßig fasteten.

 

Gerettet durch einen gläubigen Moslem

Mit 19 machte Lamsa seinen Abschluss mit hohen Auszeichnungen. Das Abschlusszeugnis, welches er erhielt wurde nur an den Besten der Klasse ausgehändigt und nur unter der Voraussetzung, dass seine Durchschnittspunktzahl nicht unter 99 Punkte fiel. Bisher hatte noch niemand aus den vorhergehenden Abschlussklassen diesen hohen Durchschnittswert erreichen können, so dass jenes Zeugnis nie vergeben wurde. Lamsa durfte an der Schule bleiben und seinerseits unterrichten. Die anderen erhielten Abschluss-zeugnisse, welche ihnen ermöglichten, in Kirchen und niederen Schulen im ganzen Land zu unterrichten.

Kurz darauf kam die Nachricht, dass ein College in Van, Türkei aufmachen sollte und Lehrer benötigt wur-den. Diese Gelegenheit nutzte der junge Professor, um neben der Lehrtätigkeit noch weitere Kurse belegen zu können, indem er seine Freistellung von der anglikanischen Schule einreichte, welche auch gewährt wurde. Neben anderen Disziplinen war er auch ein Anleiter für die türkische Sprache.

Doch als in der Türkei kurze Zeit später die Revolution ausbrach, musste das College auf höheren Druck hin schließen. Tausende von Armeniern wurden damals massakriert. Lamsa schloss sich ein paar Verwegenen an, die nach Möglichkeiten suchte, zurück in den Iran zu gelangen. Niemand reiste über die Berge während der Winterzeit, und wenn, dann nur im äußersten Notfall. Der Schnee reichte bis an die Brust und es herrschten eisige Winde. Hin und wieder kamen Soldaten vorbei mit armenischen Gefangenen, die unter unmöglichen Lasten wankten. Einer der Gefangenen konnte sich unter seiner Last nicht mehr auf den Beinen halten und fiel mitsamt seiner Last hin. Der Hügel war zudem äußerst glitschig, daher nahm ihm Lamsa einen Teil seiner Bürde ab und trug sie für ihn, bis sich ihre Wege trennten. Später verspürte er starke Schmerzen in seinem Fuß. Nach zwei Tagen in den eisigen Bergen schwoll er auf fast die doppelte Größe an und man musste ihn in das nächste Dorf bringen. Der Dorfälteste jenes Ortes nahm ihn in sein Haus auf.

Der Dorfälteste unterredete sich mit seiner Frau in der Annahme, Lamsa sei eingeschlafen; doch er hörte ihre Unterhaltung. Der Mann sagte zu seiner Frau, dass der Junge Gast in seinem Hause sei und dass sie verantwortlich für seine Sicherheit und sein Wohlergehen seien. Die Dorfbewohner hatten begonnen, sich um das Haus zu stellen und lautstark zu fordern, ihnen den „Christen“ herauszugeben. Der Dorfälteste kam mit seiner Frau an Lamsas Bett und erklärten ihm, dass sich Jahre zuvor, bevor Lamsa geboren wurde zwei Hochzeitszüge auf dem Weg in Lamsas Heimatland begegnet seien. Die christlichen Hochzeitsgäste schrien und feuerten ihre Gewehre in die Luft, wobei eine Kugel versehentlich die mohammedanische Braut der anderen Hochzeitsgesellschaft tödlich traf. Nunmehr verlangten sie nach Lamsa als Vergeltung dafür.

Um sein Leben zu retten, nahm ihn der Dorfälteste auf den Rücken und trug ihn zum Hinterausgang hinaus in die Nacht. Zwei Tage und zwei Nächte trug dieser Mann ihn. Endlich erreichten sie eine katholische Missionsstation, etwa 48 Kilometer von ihrem Ausgangsort entfernt.

Der Priester war mit Lamsas Familie befreundet. Sein Vater und seine Mutter hatten den Priester viele Male in ihren Winterquartieren bewirtet. Er bot dem Mann Tee an, sorgte für ein Zimmer für Lamsa und ließ einen Arzt holen, welcher Lamsas Fuß aufschnitt, um ihm Erleichterung zu schaffen. Hier, in jenem winzigen Außenposten konnte sich Lamsa endlich ausgiebig erholen.

Seine Begleiter waren vorausgegangen und hatten den Bediensteten der Schule berichtet, dass ihr Klassen-kamerad wegen eines infektiösen Fußes zurückgeblieben war. Gegen Ende von Lamsas Rekonvaleszenz kam der Leiter der Schule, Dr. W. A. Wigran auf einen Besuch vorbei. Als er ging, gab er Lamsa etwas Geld, damit er sich einer Karawane anschließen konnte, die ihn zurück zu der Schule im Iran bringen würde.

Als Einzelner würde es niemand wagen, den Weg alleine zu gehen. Mindestens ein Begleiter war erforder-lich. Am besten, man war Mitglied einer reisenden Karawane. Als die Karawane ankam, schloss sich Lamsa ihr an. Unter ihnen waren zwei Männer, die ausgesprochen freundlich und hilfsbereit zu dem jugendlichen Invaliden waren, der sich immer noch auf dem teilweise geheilten Fuß dahinschleppte. Einer dieser Män-ner hieß mit Namen Eschuu und lebt heute in Turlock, Kalifornien. Der Name Eschuu bedeutet Jesus.

Als er seine alte Schule wieder betrat, gab man ihm einen warmen Empfang. Es tat gut, alte Freunde wiederzusehen und seine Professur wieder aufzunehmen. Während die Mitarbeiter des Lehrkörpers wie auch die Studenten den Sommer über zu Hause verbrachten, war für Lamsa die Schule zur zweiten Heimat geworden und er betete zu G´tt, dass er dort auch während der Sommerzeit bleiben konnte.

Die Schule besaß eine eigene Druckerei, die während der Sommermonate Bücher druckte. Seit vielen Jah-ren schon hatten die Druckerwalzen sein besonderes Interesse geweckt, doch hatte er nie die Gelegenheit erhalten, mit ihnen zu arbeiten. Der alte Professor und verantwortliche Herausgeber war bereits sehr be-tagt und litt zudem an einer starken Lähmung. Hier war auf jeden Fall Hilfe nötig und so wurde Lamsa zum Hauptherausgeber für alle Schriften ernannt. Er lernte, die Druckerwalzen zu bedienen, die Drucktypen auszuwählen und den Seitenumbruch zu bestimmen. Er war verantwortlich für den redaktionellen Teil sowie für den Bereich der aramäischen Sprache. Es war dies die glücklichste Zeit in seinem Leben. Der Druck war von ihm abgefallen und er lernte ein zusätzliches Handwerk zu seiner Profession als Lehrer. Und für das alles betrug sein Anfangsgehalt 3 Dollar im Monat.

Noch im selben Sommer fasste Lamsa den Entschluss, seinen alten Freund den katholischen Priester aufzu-suchen. Die Katholiken in der Türkei gehören der Ostkirche an, anders als im Westen Europas. Im Orient sind sie bekannt als die ursprünglichen Christen, die Nachfahren der ersten Jünger Jesu. Die kleine Karawa-ne, welche ihn auf seinem Weg mitnehmen sollte, war bereits seit zwei Stunden unterwegs, als er sich auf-machte, um sie einzuholen, da er flink zu Fuß war.

Etwa eine Stunde später traf er auf zwei Kurden (= die Bewohner Kurdistans). Als sie sahen, dass er ein Christ war, zog der eine Kurde sein Schwert und stieß es in Richtung auf den Hals des vor Schreck wie ge-lähmten Lamsa. Diese Menschenmachten sich einen Spaß daraus, einen Christen zu fangen und ihn zu töten. Der Kurde wollte gerade mit seinem Schwert Lamsas Hals durchbohren, als der andere zu Lamsas Verwunderung sagte: „Nein, wir töten ihn nicht. Das ist nur ein Junge und er hat uns nichts getan.“ Der Mann mit dem Schwert erhob Einspruch dagegen, doch sein Gefährte zog seinerseits das Schwert und schlug damit die bedrohliche Klinge von Lamsas Hals weg. Sie wandten sich um und zogen ihres Wegs, während Lamsa losrannte, um die Karawane zu überholen. Solch eine Verschonung durch Angehörige der Kurden war bislang beispiellos und Lamsa zählt es zu einer der vielfältigen Episoden, in denen G´tt direkt eingriff, um sein Leben zu retten.

An jeder Schule war Lamsa der beste Student und zog aufgrund seines photographischen Gedächtnisses die Aufmerksamkeit von Patriarchen, Bischöfen und Provinzgouverneuren auf sich. Wenn er einmal etwas sah oder las, blieb es für immer in seinem Gedächtnis.

Zwischen Lamsa und seinem Vater dagegen gab es wenig Gemeinsames. Jando hatte seinen Sohn an die Schule abgegeben, nachdem Sara ihren Schwur getan hatte. Aber er kam nie, um seinen Sohn in der Schule zu besuchen. Er konnte auch nicht schreiben, noch konnte Lamsa an ihn schreiben, denn es gab niemanden im Stamm, der den Brief Jando vorlesen konnte. Lamsa erfuhr, dass sein Vater nach Russland gegangen sei und dort für fünf Jahre verblieb, doch den Grund dafür konnte er nicht herausfinden.

 

Vision in die Freiheit

1913 schickte ihn der Provinzgouverneur, in dessen Verwaltungsbereich sich Lamsas  Schule befand nach Istanbul, Türkei, um dort einige spezielle Kurse an der Kaiserlichen Universität zu belegen. Der Bruder des Provinzgouverneurs ging mit ihm. Viele der Kurse betrafen den Staatsdienst, was bedeutete, dass alle Stu-dienabgänger nach ihrem Abschluss in den Staatsdienst gingen, als Staatsbeamte, Provinzgouverneure und Staatsräte.

Lamsa besuchte die Universität nicht länger als ein Jahr, als schwere Kriegswolken sich über ganz Europa zusammenballten. Als der Krieg ausbrach, besetzte Russland Teile des osmanischen Reiches und Lamsas Stammesgenossen daheim hielten zu Russland. Der Bruder des Provinzgouverneurs versicherte Lamsa, er hätte aus sicherer Quelle erfahren, dass die Türkei auf Seiten der Alliierten in den Krieg eintreten würde. Es kam zu Tumulten in Istanbul und die türkische Regierung richtete ihren Verdacht u.a. auf die Studenten der Universität. Lamsas Freund und viele andere wurden umgebracht. Die Türkei folgte natürlich Deutschland und überall wurden Massaker an Armeniern verübt. Die Grenzen wurden geschlossen und die wenigen Stu-denten, die von der Universität aus entkommen konnten, sahen sich plötzlich als Gejagte ohne einen Ort, zu dem sie flüchten konnten. Es gab keine Lebensmittel und kein Geld.

In der Zeit wurde Lamsa versorgt durch eine junge englische Krankenschwester, die er  in einer englischen Kirche in Istanbul getroffen hatte. Während er sich in einem winzigen Raum im Bibelhaus aufhielt, brachte ihm jene Krankenschwester täglich ein in Papier eingewickeltes Brot. Das bewahrte Lamsa vor dem Hun-gertod, während er sich vor den Türken versteckte.

Als die Revolution ausbrach hatte Lamsa eine Vision. Er sah eine Frau, die auf einem riesigen Stein inmitten der Stadt stand. Sie war vollständig nackt und ein Arm war direkt unterhalb der Schulter abgeschnitten. An der Schnittstelle ragten fünf oder sechs Finger heraus. Ihr anderer Arm war unversehrt. Ein Mann stand neben ihr und sagte, dies sei die Türkei und sie werde auf der Seite Deutschlands in den Krieg eintreten. Der abgeschnittene Arm sei der östliche Teil des osmanischen Reiches, welcher zerstört werden würde. Aus ihm würden mehrere kleinere Staaten hervorgehen. Der andere Arm dagegen würde unangetastet bleiben. Der Mann gab Lamsa zu verstehen, dass er die Stadt so bald wie möglich verlassen müsse. Lamsa entgegnete ihm, dass er kein Geld habe und dass es keinen Weg nach draußen gab. Der Mann in der Vision sprach ihn zum zweiten Mal an und verkündete ihm, er werde einen Landsmann von sich treffen, der ihm das nötige Geld geben werde.

Noch in derselben Woche ging Lamsa auf der Straße und traf dort einen alten Freund, Agasey Malik, den er viele Male im Iran besucht hatte. Er war Bankier und war gerade aus London eingetroffen. Er war sehr glücklich, seinen jungen, flüchtigen Freund wiederzusehen. An jenem Abend dinierten sie zusammen und Lamsa genoss seit Wochen wieder sein erstes gutes Mahl. Lamsa erzählte seinem Freund die Vision und Malik verstand. Der Bankier entnahm seiner Börse 20 englische Pfund und überreichte sie Lamsa. Zu jener Zeit entsprach dies etwa 100 Dollar amerikanischer Währung.

Lamsa kehrte in seine kleine Wohnung zurück und zwei Tage später traf er auf einen Mann, der aussah wie der Mann in seiner Vision. Der Mann fragte Lamsa, ob er als Passagier auf einem französischen Schiff verreisen wolle. Lamsa sagte sofort zu, aber er besaß keinen Pass, und weil er zudem im dienstfähigen Al-ter war, würde er sofort erkannt werden. Der Mann versicherte Lamsa, dass er mit den nötigen Papieren versorgt werde. Er gab sie Lamsa und sie sagten aus, dass der Inhaber der Papiere britischer Staatsangehö-riger sei, der in Ägypten geboren sei. Daraufhin begleitete der Mann Lamsa auf die Polizeistation und er-langte einen Reisepass. Diesen wies Lamsa den Wachsoldaten an der Grenze vor, doch sie konnten ihn nicht lesen. Lamsa erklärte ihnen, was darauf stand und sie ließen ihn passieren. Ein paar Minuten später saß er in einem Zug, in dem er  der Freiheit entgegeneilte. Viele Stunden lang war er im Gebet, dann fiel die Spannung von ihm ab. Alles war gut.

Der Zug brachte ihn durch Bulgarien zu einem Seehafen, wo er ein kleines französisches Schiff, das nach Italien unterwegs war bestieg. Als er sich die Schiffspassage nach den Vereinigten Staaten erkaufen wollte, stellte er fest, dass das Restgeld nicht ausreichte. Jedenfalls reichte es aber, um nach Buenos Aires zu gelangen, wo er ein paar seiner Landsleute kannte und hoffte, sie dort zu finden.

Als er das Schiff in Südamerika verließ, blieben ihm noch 3 Dollar. Ein Engländer hielt ihn an und fragte nach einem Armenier. Vielleicht dachte er, Lamsa sei der Mann, den er suchte. Lamsa sagte ihm, dass er ein Christ und von assyrischer Herkunft sei. Der Mann gab Lamsa seine Karte und sagte, er werde ihn am Y.M.C.A. (= Christlicher Verein junger Männer) treffen. Lamsa kannte lediglich drei Worte auf Spanisch – die Worte für Arbeit, Wasser und Brot.

Lamsa bat den Mann, ihn zum Y.M.C.A. zu führen. Der Mann setzte Lamsa auf einen Zug und sagte ihm, dass er nicht zu bezahlen brauchte, dass die Regierung einem jeden Neuankömmling freie Fahrt zu jedem beliebigen Ort gewähre. Der Zug fuhr mit ihm drei Tage. Zuerst dachte Lamsa, dass ein Irrtum vorliege oder dass der Mann ihn falsch verstanden habe. Doch später fand er heraus, dass dies eine gängige Überrumpe-lungstaktik war, um Zwangsarbeiter zu bekommen. Die Reise brachte ihn quer durch das Andengebirge, wo eine Eisenbahnstrecke gebaut werden sollte, und dort wurde ihm Arbeit zugewiesen. Da er auf  eine solche Arbeit völlig unvorbereitet war, fingen seine Hände kurz darauf so heftig zu bluten an, dass er nichts mehr darin halten konnte. Die Nächte waren zudem so kalt, dass die Männer sich in den Sand eingruben, um nicht zu erfrieren.

Eines Tages fand er, während er das Terrain abschritt ein Stück Papier, das auf Englisch beschriftet war. Er begann sich zu erkundigen und fand einen englischen Ingenieur. Dieser war nicht wenig erstaunt, als er  hörte, dass Lamsa Englisch sprach. Lamsa berichtete ihm seine Lage und wie er hierhergekommen war. Der Mann versicherte ihm, dass er vom Y.M.C.A. weit entfernt sei.

Lamsa zeigte dem Engländer einen Brief, den er von dem Kaplan der britischen Botschaft in Istanbul erhal-ten hatte und einen zweiten Brief von einem Herrn Pascha, einem ehemaligen Sekretär des türkischen Sul-tans, welcher Lamsa den Status eines Erziehers gab. Der Ingenieur veranlasste einen umgehenden Rück-transport für Lamsa nach Buenos Aires und sorgte dafür, dass Ingenieure des Schienenbauunternehmens an jeder Station zu ihm stiegen.

Als er die Stadt erreichte, wartete auf ihn ein weiterer Mann der Gesellschaft und setzte ihn in einen Straßenbahnwagen. Nie zuvor war er auf einer Straßenbahn gewesen und die Prozedur des Aussteigens war ihm völlig fremd. Er hielt fieberhaft Ausschau nach dem Ort, wo er anhalten wollte. Die Gebäude huschten vorbei und plötzlich sah Lamsa das Gebäude der Y.M.C.A.  In der Mitte des Gebäudekomplexes sprang er vom Wagen und fiel der Länge nach auf den Gehsteig. Dabei schlug sein Gepäck auf dem harten Straßenboden auf und zerbrach in mehrere Stücke. Lamsa sammelte die Überreste, so gut es ging ein und humpelte zum Gebäude. Dort erhielt er eine Anstellung bei den Druckmaschinen. Er war dankbar über die Ausbildung, die er im Iran an der Schule erhalten hatte. Die Bezahlung war sehr gering, doch bei sparsamer Haushaltung konnte er wenigstens existieren.

 

Lamsa als Übersetzer

Lamsa ging von einer Gelegenheitsarbeit zur anderen bis er schließlich eine Dame von der Christlichen Wis-senschaft traf, Mrs. Mitchell, die sich für die vielen Wunder des Orients und besonders für die östliche Vor-stellung über den Glauben interessierte. Sie und ihr Mann fanden sofort Gefallen an Lamsa und er besuch-te sie oft in ihrem Zuhause. Sie hatten einen Freund, der in der Produktionsanlage von Swift&Company (ei-ner der größten Fleischproduzenten damals in den USA) arbeitete. Durch seine Vermittlung erhielt Lamsa eine Anstellung als Zeitmesser, was ihm ein höheres Gehalt einbrachte. Noch später arbeitete er für die argentinische Eisenbahngesellschaft und die State Railway, bis er eines Tages einen anglikanischen Bischof in Buenos Aires anrief, der ein Cousin des persönlichen Sekretärs von König George war. Dieser Mann war ein Klassenkamerad des Hochschulleiters, wo Lamsa seinen Abschluss gemacht hatte. Lamsa erkannte den Leiter des Colleges auf einem Bild im Büro des Bischofs und jener glaubte ihm. Mit Hilfe des Bischofs konn-te Lamsa eine Anstellung als Schiffskellner bei der britischen Handelsmarine erhalten.

Gegen Ende des Jahres 1917 langte Lamsa in New York an Bord des Schiffes S.Vauban an. Lange hatte er davon geträumt, in die Vereinigten Staaten zu kommen. Er hatte von Amerika als dem Land des Überflus-ses gehört und dass alle Straßen dort mit Gold gepflastert seien. Er hatte Geschichten gehört, dass, wenn du Geld brauchtest, würdest du es von der Straße aufsammeln können; und dass, wenn du deine Geldbör-se liegengelassen hattest, du sie nach drei Tagen noch dort finden würdest, weil keiner sie an sich nehmen würde. Seine Freude bei seiner Ankunft in New York war schwer zu beschreiben. Von den Geschichten, die er gehört hatte, bewahrheitete sich zumindest eine: auf den Straßen fand sich tatsächlich Geld. In den Jahren, die folgten fand er, als er es am nötigsten brauchte insgesamt 485 Dollar.

Die Schlange vor der Zollschranke war lang und Lamsa erschien es wie Stunden, bis die Reihe an ihn kam. Er beobachtete aufmerksam den Mann vor ihm, als er befragt und seine Papiere kontrolliert wurden. Der Mann hatte mehrere Namen und der Beamte am Zoll sagte ihm, dass alles, was er brauchte, um hereinge-lassen zu werden, zwei Namen sei. Der Neuankömmling fragte, was wohl passieren würde, wenn er nur ei-nen Namen hätte, worauf der Zollbeamte erwiderte, dass er nicht zugelassen würde. Lamsas Hoffnungen waren zunichte. Er hatte nur einen Namen. Lamsa war der einzige Name, bei dem er gerufen wurde.

Einer der Namen seines Vordermannes war George und Lamsa lieh ihn sich hastig. Für einen verzweifelten Moment wusste er nicht, ob er ihn an den Anfang oder lieber hinter seinen wahren Namen stellen sollte. Um ihn in seinem Schrecken nicht zu vergessen, nannte er ihn zuerst. So wurde er zu George Lamsa. Das „M“ in seinem Namen steht für seinen Mamischo-Stamm dort in der Türkei.

Seine erste Arbeit war bei der Druckereigesellschaft Powers Printing Company in New York. Später arbeitete er als Übersetzer bei der United States Copper Company. Der Wunsch nach mehr Bildung wallte in ihm auf und er wollte zurück zur Schule gehen. Die Company wollte ihn nicht gehen lassen und so hoben sie sein Gehalt an. Er war sehr beliebt und man teilte ihm mit, dass, falls er bleiben würde er eine lukrative Anstellung als Fachmann für Rationalisierung erhalten könnte. Lamsa kämpfte mit sich, wohl wissend, dass er eine gute Stellung innehatte. Der Ruf nach mehr Wissen gewann schließlich die Oberhand und er rief den Bischof der Episkopalen Kirche in New York an, einen Tag bevor der Weltkrieg endete. Der Bischof gewährte Lamsa ein Stipendium am Virginia Theological Seminary. Dort studierte er drei Jahre und übersetzte in dieser Zeit viele Briefe für das amerikanische Kriegsministerium sowie für private Agenturen. Mit dem Geld, das er dafür erhielt konnte er seinen Lebensunterhalt finanzieren.

Nach seinem Abschluss ging Lamsa nach Washington, D.C., fand jedoch keine Arbeit. Glücklicherweise war Sommerzeit und er konnte draußen leben und im Park schlafen. Er kaufte Brot von dem Geld, was er auf der Straße fand. Oft kaufte er Erdnüsse und teilte sie sich mit den Tauben. Schließlich begab er sich wieder auf den Weg zurück nach New York und fand ein kleines Hotelzimmer für 1 Dollar die Nacht; doch er hatte kein Geld, um das Zimmer zu bezahlen. Eine Operation wurde an seiner Nase vorgenommen, aber er konn-te die Arztrechnung nicht bezahlen. Er erhielt einen Brief von der Arztpraxis und trug ihn drei Wochen lang mit sich herum, bevor er den Mut hatte, ihn zu öffnen. Als er ihn schließlich öffnete, fand er darin 150 Dol-lar von Mrs. Burke, der Schwiegermutter des Arztes, jedoch keine Rechnung.

Er ging durch viele Schwierigkeiten und Enttäuschungen, doch sie lösten sich auf wunderbare Weise. Es gab Tage, an denen er nur 50 Cents für den Tag hatte und Tage, wo er nichts zu essen hatte. Es gab Nächte, wo ein hervorstehendes Gebüsch seine Schlafdecke für den Park war, doch er schaute nie zurück. Das Geld kam von geheimen Quellen.

Der Erzbischof von Canterbury rief das Missionshaus der Episkopalkirche an, um Spenden zu sammeln für den Wiederaufbau von Schulen und Ausbildungsstätten in der Türkei und im Iran, die während des Krieges niedergebrannt und zerstört wurden. Man fragte Lamsa, ob er bereit sei zu helfen. Er nahm das gesamte Projekt auf sich und verbrachte die nächsten fünf Jahre damit, Vorträge zu halten und Geld zu sammeln. Er brachte eine Summe von fast 75.000 Dollar zusammen. Dieses Werk bestand bis zur Depression 1929; da-nach war es unmöglich, Geld zu bekommen.

1929 ging er an die Universität von Pennsylvanien . Der Präsident und das Kollegium waren fasziniert von Lamsas Behauptung, dass Griechisch nicht die Sprache der Urschriften des Neuen Testamentes war. Er führte aus, dass die Apostel aramäisch sprachen, dass sie aramäisch schrieben und dass die Östliche P´schittá (= die gesamte Bibel auf Aramäisch) auf Aramäisch geschrieben worden sei. Er fragte sie, warum sie wohl auf Griechisch geschrieben sein sollte, da die Menschen weder Griechisch lesen noch schreiben konnten. Er sagte ihnen, dass selbst ihre eigenen Geschichtsbücher darauf verweisen, dass die Griechen das Heilige Land für einen Zeitraum von gerade mal sieben Jahren besetzt hielten und dass es nicht einmal ein halbes Dutzend unter seinen Einwohnern gab, die genügend Griechisch konnten, um eine Unterhaltung zu führen. Weiterhin wies er darauf hin, dass sein eigenes Volk, ja die Menschen des Orients allgemein bis ins Jahr 1909 so gut wie keine Kenntnis von der Welt des Westens besaßen, und auch die Forscher des Westens jenes Areal nicht betraten bis etwa zur selben Zeit. Zudem wurden die griechischen Übersetzungen als Erstes aufgefunden und als solche dann zu den Originalhandschriften in den Augen der Christen des Westens. Die Professoren sagten ihm, dass es ein schwieriges Unterfangen sein würde, andere damit zu überzeugen und bezweifelten, dass er unter den Bibelforschern viele Zuhörer finden würde. Sie versicherten ihm auch, dass die Universität ihm nicht helfen könnte. Er setzte ihnen auseinander, dass die griechische Sprache nicht in der Lage sei, die Bedeutung  vieler aramäischer Wörter wiederzugeben. Schließlich meinte der Dekan der Universität zu Lamsa, der einzige Weg, seine Behauptungen zu beweisen sei, etwas darüber zu publizieren.

Obwohl Lamsas Verbleib an der Universität von kurzer Dauer war, brachte er ihn doch zumindest auf den Weg als Bibelübersetzer. Während jener Zeit brachte er einem der Professoren sowohl Türkisch als auch Aramäisch bei. Dieser Professor besuchte später Lamsas Heimatland.

 

G´tt gibt ihm neue Freunde

Nachdem er die Universität verlassen hatte, begann er, Vorträge zu halten, setzte seine privaten Forschungen jedoch fort. Er übernahm keine weiteren Anstellungen, sondern lebte von dem Wenigen, was ihm seine Vortragstätigkeit einbrachte. In dieser Zeit, wo er praktisch von der Hand zum Mund lebte, führte ihn sein Weg des Öfteren von Philadelphia nach New York.

Ein Pastor der Episkopalkirche in Boston nahm Kontakt zu ihm auf und bat ihn, in seine Kirche zu kommen und über Heilung im Nahen Osten zu sprechen. Er eröffnete ihm, dass er ihm nur 25 Dollar zahlen könne, was gerademal genug für die Reisekosten war. Lamsa gab vier Vorlesungen an jener Kirche. Eine Dame kam zu ihm und fragte, ob er irgendetwas Schriftliches habe. Er verneinte. Daraufhin erklärte sie ihm, dass die Dinge ,die er sagte so wertvoll seien, dass sie sie gerne in gedruckter Form sehen würde. Lamsa erwiderte ihr, dass er neu in diesem Lande sei, dass es für ihn schwierig sei, sein Lebensunterhalt zu verdienen und er keine Zeit zum Schreiben habe. Daraufhin gab sie ihm ihre Karte und lud ihn am folgenden Abend zum Dinner bei sich ein. Es war Mrs. William M. Wood aus Boston.

Am nächsten Tag suchte er das Haus auf und fand  zu seinem Erstaunen ein riesiges Anwesen mit vielen Bediensteten. Die männlichen Bediensteten waren uniformiert und die weiblichen trugen weiße Kleidung mit flotten/engen Haarknoten im Rücken. Lamsa war sprachlos. Noch nie in seinem Leben hatte er etwas Derartiges gesehen. Noch nie in seinem Leben war er in einem so riesenhaften Haus wie diesem gewesen. Mr. Wood war der Präsident der American Woolen Company. Nach dem Abendessen fragte Mrs. Wood Lamsa, wie viel Geld er für seinen Lebensunterhalt benötigen würde, um über die Dinge zu schreiben, die er in seinen Vorträgen erwähnte. Er nannte den Betrag von 25 Dollar die Woche. Sie sagte ihm, dass man von 25 Dollar in der Woche in New York nicht leben könne. Daraufhin sagte er ihr, alles was er brauche sei ein kleines Zimmer und etwas zu essen, dann könne er die Arbeit tun. „In Ordnung,“ erwiderte sie, „ich möchte, dass Sie aufhören, in der Gegend umherzuirren, bis Sie ein paar dieser wundervollen Dinge gedruckt haben.“ Sie gab ihm 35 Dollar für die Woche.

Lamsa begann mit seiner Arbeit an dem Buch The Oldest Christian People (Das älteste christliche Volk), das er ihr widmete. Als nächstes schrieb er My Neighbour Jesus (Jesus, mein Nachbar). Mrs. Wood fuhr fort, ihm Geld zu schicken, 14 Jahre lang, während er an seinen Büchern arbeitete. Ohne ihre Hilfe gäbe es kein Gospel Light (auf Deutsch erschienen unter dem Titel Die Evangelien aus aramäischer Sicht im Neuen Johannesverlag, Lugano), keinen Lamsa Bible Commentary, keine Bibelübersetzung aus dem Aramäischen sowie alle weiteren Werke Lamsas. Sie war die Erste, die auf ihn zuging und ihn mit dem Geld ausstattete, das nötig war um ihn zu unterhalten, während er an seinen Büchern und Übersetzungen arbeitete.

Ein innerer Drang veranlasste ihn, vom frühen Morgen bis spät in die Nacht zu arbeiten, manchmal 18 oder 19 Stunden am Tag, wobei er sich von Brot, Käse und Weintrauben ernährte, ganz wie er es von zu Hause gewohnt war. Er aß und übersetzte dabei. Ein Tag erschien ihm wie ein paar Stunden und eine Woche wie ein Tag. Sein Sinn war beständig auf seine Bücher und Übersetzungen gerichtet. Er dachte an nichts Anderes als an die wundervollen, verborgenen Wahrheiten, welche er der ursprünglichen P´schittá entnahm und die er eines Tages der Welt präsentieren würde. Diese würden tausenden von unverständlichen Bibelstellen zu einer klareren Bedeutung und Absicht verhelfen. Er war sosehr erfüllt von einer g´ttlichen Führung, von Zuversicht und Freude, dass keine Zeit blieb für Krankheit oder Ruhepause. Es war klar, dass sein ganzes bisheriges  Leben bis an diesen Punkt geführt wurde, damit eine einzige Absicht erfüllt würde. Dabei beflügelte ihn die Erkenntnis, dass der aramäische Text fast 2.000 Jahre vor den Augen der Welt verborgen war.

Lamsa begann mit der Übersetzung der Vier Evangelien in der Wohnung von Mr. William Parsons in Flushing, New York. Parsons hatte Lamsa geschrieben, dass er und seine Frau nach Europa gingen und er ihr Haus samt Dienerschaft während ihrer Abwesenheit benutzen könnte. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite in einem anderen großen Haus wohnte ein Mr. Samuel Thompson, der sich ebenfalls für Lamsa und sein Werk, das er in Angriff genommen hatte begeisterte. Er lud Lamsa in sein Haus ein und zeigte ihm zehn verschiedene Bibelübersetzungen, die er ausgestellt hatte. Lamsa und Thompson wurden enge Freunde. Thompson war davon überzeugt, dass Griechisch nicht die Ursprungssprache der Bibel war. Er gab Lamsa einen Cheque über 100 Dollar, um ihn in seiner Arbeit zu unterstützen. Sie sprachen oft miteinander. Lamsa zeigte ihm, wo die griechischen Übersetzer sich bei der Übersetzung des ursprünglichen Textes der P´schittá geirrt hatten, welche in einer semitischen Sprache geschrieben und dann ins Griechische und Lateinische übersetzt wurde. Danach folgten dann die anderen Übersetzungen aus dem Griechischen.

Im folgenden Jahr stellte Mr. Thompson die Aramaic Bible Society zusammen und legte 1.000 Dollar in die Bank für ihre weitere Entwicklung. Er studierte mit Lamsa Stunden um Stunden, bis die Vier Evangelien vollständig übersetzt waren. Lamsa nahm die Manuskripte und brachte sie zu den Macmillan Publishers (großes Londoner Verlagshaus mit Sitz in New York). Diese zeigten sich interessiert, waren jedoch alarmiert darüber, warum dieses Werk nicht schon vorher getan worden war. Durch Vermittlung eines Onkels der Thompsons traf sich Lamsa mit dem Vorsitzenden der John D. Rockefeller – Stiftung. Lamsa wurde auf das Höflichste empfangen und trug seinen Bericht über die P´schittá vor. Man sagte ihm, falls dies stimmte, sei es höchst faszinierend; doch wenn es zuträfe, warum sei dann das Werk nicht von der Universität von Chicago, welche von der Stiftung mitfinanziert wurde, geleistet worden ? Lamsa gab zur Antwort: „Ich weiß es nicht. Warum hat Moses nicht die Elektrizität erfunden ? Alles kommt zu seiner Zeit.“ Die griechischen Übersetzer waren bis ins 20. Jahrhundert  die Einzigen, die von der Existenz der östlichen P´schittá wussten, während in den westlichen Ländern bereits vor dieser Zeit zahlreiche Übersetzungen aus dem Griechischen vorgenommen worden waren. Der Westen bewegte sich nicht in den Osten, wo die Originale hergestellt wurden. Umgekehrt wan-derte das Wort westwärts, wie auch die Zivilisation sich westwärts bewegte. Und in dem Maße, wie sich diese Westwärtsbewegung konsolidierte, übersetzte ein (europäisches) Volk aus der Sprache der anderen.

Die Verantwortlichen der Stiftung sagten, falls die Universität von Chicago seine Behauptungen stützen würde, dass Griechisch nicht die Originalsprache der Bibel sei, sei die Stiftung bereit, ihm zu helfen. Doch die Universität zeigte sich seinen Ausführungen gegenüber ablehnend. Lamsa versuchte ihnen zu erklären, dass die Griechen das Land nur für eine Periode von sieben Jahren besetzt hielten, viel zu kurz, als dass die aramäischen Völker die Sprache hätten erlernen können. Die Schreiber, welche die Schriftrollen der Apostel in die P´schittá hineinkopierten, würden kaum in einer Sprache geschrieben haben, die ihre eigenen Leute nicht sprechen noch lesen konnten. Sie sprachen und schrieben  Aramäisch. Der griechische Einfluss in den biblischen Ländern begann erst nach der Bekehrung Konstantins im vierten Jahrhundert unserer Zeit.

Die Universitätsweisen schüttelten den Kopf und Lamsa war wieder einmal allein. Kein Herausgeber wollte die Manuskripte der Übersetzung der Vier Evangelien auch nur anrühren. Es wäre reine Geldverschwen-dung, sie zu veröffentlichen, sagte man ihm. Endlich schrieb ihm der Pastor von A. J .Holman, einem Herausgeber von Bibelausgaben und bat ihn, vor der Gemeinde seiner Kirche zu sprechen. Lamsa nahm die Einladung an. Nach seiner Ansprache kam Mr. Holman zu ihm, um ihm zu sagen, dass er die Vier Evangelien in der Übersetzung Lamsas von der P´schittá veröffentlichen würde. Auch betonte er, dass seine Familie seit sechs Generationen bereits Bibeln herausgegeben hatte und dass sie alles Neue begrüßen würde, das Licht auf die dunklen Stellen in den Evangelien werfen würde; zudem seien sie sehr interessiert an den Ansichten eines Mannes aus dem Orient. Lamsa sagte ihm, dass er zwei weitere Bücher in druckreifer Manuskriptform bei sich habe. Holman meinte daraufhin, es sei schwierig, die Vier Evangelien einem breiteren Publikum nahezubringen, weil die meisten von ihnen bereits seit langem die Übersetzungen aus dem Griechischen als einzig maßgebliche Version der Bibel ansähen. Doch Lamsa versicherte ihm, dass er sich über den Erfolg der Veröffentlichungen keine Sorgen zu machen brauchte, da ihm in einer Vision gezeigt worden sei, dass sich die Auswirkungen jenseits aller Vorstellungen bewegten. Daraufhin sagte Holman ihm, dass die Menschen in diesem Land für gewöhnlich Fakten mehr trauten als Visionen, doch hoffte er, dass Lamsa Recht behielt.

 

Der Erfolg stellt sich ein

Bange Wochen vergingen, in denen das Buch für den Druck vorbereitet wurde. Dann, eines Tages, stellte Holman Lamsa endlich den fertiggestellten Band vor. Er sagte, dass sie zwei Buchbestellungen von einem methodistischen Buchladen hätten. Lamsa küsste das Buch regelrecht und begann zu weinen. Das war sein Traum, jene vielen geschriebenen Seiten im Druck zu sehen. Jetzt endlich konnte er den Menschen die Dinge zeigen, über die er gesprochen hatte. Zurück in New York wurde er von Reportern umschwärmt. Noch in derselben Woche, als die Evangelien freigegeben wurden, signalisierten die Hearst Press, der Literary Digest, die New York Times, der Christian Science Monitor, die Associated Press, die United Press sowie viele Radiokommentatoren ihre Bereitschaft, die Botschaft in die Welt zu tragen. Die Nachricht davon erschien auf den Titelseiten vieler Zeitungen. Säckeweise kam Post an Holman, etwas das er bisher noch nie erlebt hatte. Lamsa bestätigte ihm, dass dies die Vision sei, welche er gesehen und von welcher er ihm früher berichtet hatte. Holman war sehr erstaunt und sagte, dass er so etwas nie geglaubt hätte. Er bestand darauf, dass Lamsa auch den Rest des Neuen Testamentes in Angriff nehmen sollte. Rezensionen und Kritiken gingen beständig ein. Es schien, als ob Jeder dafür war. Exemplare wurden in alle Welt verschickt und weitere Anfragen nach einer Übersetzung des gesamten Neuen Testamentes strömten herein.

Es war Lamsa klar, dass der Widerstand, der ihm entgegengesetzt wurde von den Verfechtern der griechischen Sprache herrührte und nicht von den zahllosen Menschen, die die Wahrheit suchten.

Spenden für die Unterstützung des Werkes gingen beständig ein und versorgten Lamsa mit dem nötigen Geld für seinen Unterhalt und die mit der Übersetzungstätigkeit verbundenen Ausgaben.

Dabei wurde er von vielen einflussreichen und wohlhabenden Personen unterstützt – Mr. und Mrs. Kellogg, J. P. Morgan, Mrs. du Pont und vielen, vielen anderen. Er war erstaunt darüber, wie gut sie die Bibel kannten. Er fand, dass viele von ihnen eine hohe geistliche Gesinnung hatten.

Bei einer Gelegenheit wurde Lamsa gebeten, in der  Locust Valley Church von Long Island, New York  zu sprechen. Die Gemeinde bestand hauptsächlich aus Geschäftsleuten der Wall Street. Als der Pastor der Gemeinde sich bei Lamsa über das Thema seiner Ansprache erkundigte, sagte ihm dieser, er würde zu ihnen über die Bibelstelle sprechen: „Es ist leichter für ein Kamel, durch ein Nadelöhr zu gehen, als für einen reichen Mann, in den Himmel zu kommen.“ , worauf ihm der verschreckte Geistliche erwiderte: „Oh, nein ! Auf keinen Fall dürfen Sie über dieses Thema sprechen. Es befinden sich in dieser Kirche einige der reichsten Männer der Welt.“ , worauf Lamsa wiederum meinte, dass die wahre Lesart der Stelle vom Seil und nicht vom Kamel spricht.

Er legte dar, dass dies einer der vielen Irrtümer in den westlichen Übersetzungen sei. Sodann machte er deutlich, dass einige der Fasern sehr wohl durch das Nadelöhr gingen, die anderen Fasern jedoch verschmerzt werden müssten. „Das bedeutet“, schloss er, „dass ein Reicher auf jeden Fall in den Himmel gelangen kann, doch muss ihm klar sein, dass er dafür einiges in seinem Leben aufgeben muss.“  Im Aramäischen sind die Buchstaben für Kamel und Seil dieselben; daher ist nur ein in dieser Sprache Aufgewachsener in der Lage, den Unterschied zu erkennen. Jener Umstand trug daher zur Verwirrung bei den griechischen Übersetzern des aramäischen Originals noch zusätzlich bei.

Nach Lamsas Vortrag in jener wohlhabenden Kirche nahm Mr. J. P. Morgan die Kollekte persönlich entgegen und sagte zu Lamsa, er wolle ihn später sprechen. Bei dieser Gelegenheit machte Lamsa die Bekanntschaft von Mrs. Pratt, der Frau des Präsidenten von Standard Oil in New York, Mrs. Davidson sowie Mrs. John W. Davies, und alle fragten ihn nach Literatur. Er sagte, er habe keine Literatur, die er weitergeben könne, doch er plane, die gesamte aramäische Bibel ins Englische zu übersetzen. Mr. Morgan bot Lamsa an, vollen Gebrauch von seiner Bibliothek zu machen, um sein Übersetzungswerk weiterzuführen.

Nachdem das Neue Testament veröffentlicht wurde, erwarb seine persönliche Förderin und Wohltäterin Mrs. Wood zahlreiche Exemplare davon, um sie weiter zu verteilen. Sie eröffnete ihm, sie habe in ihrem Leben schon vielen Männern geholfen, doch er sei der Erste, bei dem sie die Früchte seiner Arbeit auf den Titelseiten von Zeitungen im ganzen Land abgebildet sehen konnte.

 

Visionen und Erfolge /Durchbrüche

Visionen, Träume sowie ein siebter Sinn für Gefahren begleiteten Lamsa seit der Kindheit. In einer Nacht, es war im Jahr 1936 sah er in einer Vision, dass er am folgenden Tag in einen Autounfall mit dem Pastor, bei dem er sich aufhielt verwickelt würde. In der Vision brannte das Auto, doch weder er noch sein Freund waren verletzt. Lamsa gab die Vision an seinen Freund weiter, worauf dieser über die Vorstellung lachte. Der Unfall ereignete sich so, wie Lamsa ihn gesehen hatte. Der Wagen erfasste eine kleine Ansammlung von losem Kies am Straßenrand, worauf er sich überschlug und Feuer fing, jedoch ohne bei einem der beiden Insassen Schaden anzurichten.

Und abermals, als er im Jahr darauf zusammen mit zwei weiteren Personen in einem fahrenden Auto saß, das sich gerade mal zehn Kilometer außerhalb von Philadelphia befand, spürte er eine herannahende Gefahr. Er bat daher, das Fahrzeug verlassen zu dürfen und ließ seine Freunde den Grund dafür wissen, worauf diese ihm versicherten, dass daran nichts dran sei. Trotzdem bestand er darauf und sie ließen ihn an der nächsten Zugstation aussteigen. Seine Freunde fuhren weiter nach Chicago, wo Lamsa dann nach der Fahrt mit dem Zug zu ihnen stoßen sollte. Später geriet das Auto, in dem seine beiden Freunde saßen, bei der Fahrt durch das Gebirge an einen Abhang und stürzte in die Tiefe, wobei es sich überschlug. Augenzeugen berichteten, das Auto habe sich mehrmals überschlagen, bis es am Grund einer Schlucht, weit unter der Straße zum Stillstand kam. Keiner der Männer wurde verletzt.

Im Jahre 1940, als er seine Wohltäterin Mrs. Ellen Wood zum letzten Mal anrief, um sie zu besuchen, erfuhr er, dass sie nicht mehr lange zu leben hatte. Lamsa blieb drei Tage in ihrem weitläufigen Sommerhaus. Dann fuhr ihn ihr Chauffeur zum letzten Mal zu der Bahnstation, wo er still auf den Zug wartete, der ihn zurück nach Boston bringen sollte. Als er ein Notizbuch aus seiner Tasche zog, fiel ein Stück Papier heraus. Beim Aufheben bemerkte er, dass es eine Visitenkarte von Mrs. Margaret Outerbridge in Maine war. Seit zwei Jahren trug er ihre Karte mit sich und hatte inzwischen ganz vergessen, dass er sie immer noch bei sich hatte. Sie hatte ihn ursprünglich gebeten, sie zu besuchen, doch hatte ihn sein schweres Arbeitspensum und seine Vortragsverpflichtungen bisher daran gehindert, dieser Einladung Folge zu leisten. Jetzt in diesem Moment gab es dagegen nichts, was dem entgegen stand und so bat er G´tt um Führung. Er dachte bei sich: Wenn der erste Zug, der eintrifft nach Norden geht, dann will ich ihn besteigen und Mrs. Outerbridge besuchen; wenn er dagegen nach Süden fährt, werde ich mit ihm zurück nach Boston fahren. Der erste Zug, der ankam ging in Richtung Norden. Ein paar Stunden später rief er Mrs. Outerbridge von der Station in York Harbour, Maine aus an und wurde von ihrem Chauffeur kurze Zeit später zu ihrem Sommerhaus gefahren.

Einmal, es war im Spätherbst desselben Jahres speiste Lamsa mit Mrs. Outerbridge in ihrem Winteraufenthalt zu Abend. Sie war ganz eingenommen von seiner Idee, das Alte Testament der P´schittá genau so zu übersetzen, wie er es mit dem Neuen Testament gemacht hatte. Sie bestand darauf, dass er alle seine Sachen in ihr Haus bringen und sich hier an die Arbeit machen solle. Er lehnte bescheiden ab, da er ihre Großzügigkeit nicht missbrauchen wollte. Eine Woche später jedoch erschien zu Lamsas Überraschung ihr Chauffeur an seiner Wohnung und erklärte ihm, er habe die Anweisung seiner Dienstherrin, alle beweglichen Sachen aus Lamsas Wohnung sowie auch ihn selber in ihr Haus zu bringen. Bald darauf fand er sich in Mrs. Outerbridges geräumigen Haus in Chestnut Hill wieder, von wo aus er die Übersetzung des Alten Testamentes aus dem Aramäischen in Angriff nahm; später schrieb er hier den New Testament Commentary .

Hier erreichten ihn auch die Leserzuschriften über all die Jahre. Die einzige Person, welche sich ausdrücklich gegen Lamsa wandte, ohne sich jedoch persönlich an ihn zu wenden, um ihn und seine Lehrinhalte in Misskredit zu bringen, war ein prominentes Mitglied des Lehrkörpers an der Chicagoer Universität. Dieser Mann ging so weit, seine Freunde zu bitten, Responsen zu veröffentlichen, in welchen Lamsa und seine Werke gebrandmarkt werden sollten. Er schrieb an Lamsas Verleger, dass diese neuartige Lehrmeinung gegen jede Form der Wissenschaft des Westens gerichtet sei. Der Verleger schrieb zurück, falls die Person, die die Einwände und Beschuldigungen gegen den Text der P´schittá aufrechterhalte, geneigt sei, in sein Büro zu kommen und den Originaltext einsehen würde, so wie Lamsa es getan hätte, sie ihre Anschuldigungen weitestgehend überdenken würde. Dieses Angebot wurde jedoch ignoriert, da der Mann nicht Aramäisch lesen konnte, die Sprache Jesu und Seiner Apostel, die von der damaligen Zeit bis heute fast unverändert geblieben ist.

Dann wiederum bot ihm einmal eine wohlhabende Familie die Summe von 50.000 Dollar an, um weitere Geschäftsstellen zu errichten und damit sein Werk auf höherer Ebene fortsetzen zu können, nachdem ihre Kinder sie besucht hatten, ein Tag nachdem sie die Vier Evangelien in der Übersetzung Lamsas gelesen hatten, um ihnen mitzuteilen, dass die Bibel zum ersten Mal für sie einen Sinn ergab. Diese guten Menschen, wie auch ihr Pastor mit vielen anderen erboten sich als seine Mitübersetzer und Mitautoren, doch musste er ihr Ersuchen ablehnen. G´tt hatte Lamsa Seine Absicht kundgetan und dazu die Art und Weise, wie sie umzusetzen war. Es war eine Ein-Mann-Arbeit. Die Bibel bezeugt, dass G´tt zum Menschen sprach; es ist aber nicht verzeichnet, dass Er auch ein Arbeitskommittee ansprach. Jedes Mal, wenn sich Lamsa an die Übersetzung machte, ging er auf die Knie und betete zu G´tt, dass er angesichts der vielen lukrativen finanziellen Angeboten nicht ein Jota für eventuelle Bedenken oder Rücksichten hergeben würde. Ja, es gab nur Einen, der die Bibel aus dem Aramäischen übersetzen konnte. G´tt wusste es und Lamsa wusste es und dabei blieb es auch.

Nachdem er die Bibel vollständig übersetzt hatte, verbrachte er die nächsten Jahre damit, das Manuskript wieder und wieder durchzugehen. 1957 endlich verließ dann die Lamsabibel die Druckerpresse und wurde offiziell vorgestellt. In der Folge wurde Lamsas Autorität ihm in den Fragen der Sprache und den Sitten und Gebräuchen des Ostens von den Historikern vorbehaltlos an- und zuerkannt. Die Ronald V. Lee -  Filmproduktion nahm Lamsa als technischen Direktor für den Leinwandfarbfilm The Big Fisherman (zu Deutsch: Der Größte unter den Fischern) unter Vertrag. Die Hauptrolle hatte Howard Keel inne, der den Part vom Jünger Jesu, Petrus, spielte.

Lamsas Terminkalender füllte sich und bald verbrachte  er eben soviel Zeit in der Luft auf dem Weg von einer Stadt in die nächste, wie er auf dem Boden war. Dank seines photographischen Gedächtnisses kannte er jeden Abschnitt der Bibel. Er, der in ein aramäisch sprechendes christliches Umfeld hineingeboren wurde, dessen Sprache und Gewohnheiten seit zweitausend Jahren nahezu unverändert geblieben waren, konnte der westlichen Welt ein neues und tieferes Verständnis über G´ttes Wort schenken, so wie es den ersten Christen übermittelt worden war. Der tiefgehende Gehalt seiner Lehren ist eine Quelle der Freude und der Offenbarung unter seinen Zuhörern, ob in einer kleinen Hausgemeinde, einem Bürgerverein oder einer großen Zuhörerschaft in einer kirchlichen Vortragshalle.

Während er einen Freund in Detroit, Mr. Charles Locklin besuchte, hatte Lamsa einen Traum, dass Oral Roberts (bekannter charismatischer Fernsehprediger) ihn suche. Er berichtete seinem Freund das, was er gesehen hatte und dass er einen Drang verspüre, nach Philadelphia zurückzukehren. Mr. Locklin wies darauf hin, dass Lamsa bereits hier für mehrere Vorträge gebucht sei und er nicht vor einer Woche nach Philadelphia zurück könne. In der vierten Nacht erhielt Mrs. Locklin die Nachricht, dass ihre Schwester in Philadelphia unerwartet plötzlich an einer Herzattacke verstorben sei. Daraufhin sagte Lamsa die noch verbleibenden Versammlungen ab und alle Drei fuhren zusammen nach Philadelphia. Auf dem Weg kündigte Lamsa seinem Freund an, der erste Brief, den er in Philadelphia erhalten würde, werde von Oral Roberts sein. Tatsächlich war der erste Brief von Mr. Montgomery vom Mitarbeiterstab Oral Roberts´, welcher ihm mitteilte, dass Oral Roberts ihn sehr gerne persönlich sprechen würde. Ein Treffen wurde bald vereinbart. Mr. Roberts war so sehr beeindruckt von der aramäischen Übersetzung, dass er bei Lamsas Verleger erreichte, eine besondere Ausgabe unter dem Titel Abundant Life, zu Deutsch Leben im Überfluss zu drucken, die er zu Zehntausenden unter seinen Anhängern verteilte.

Dr. Lamsa glaubt an eine ökumenische christliche Kirche. Er bevorzugt keine einzelne Denomination. Seit Jahren bemühte er sich um eine breitere Zusammenarbeit und Verständnis zwischen Christen, Juden und Moslems, die alle an den All-Einen und Allmächtigen G´tt glauben und deren tiefer Wunsch es ist, innerhalb der einzelnen Glaubenssysteme Seinen Willen zu tun. Wenn wir mehr Gewicht auf unsere Einheit legen und die Unterschiede zwischen uns in großzügiger Weise zu akzeptieren lernen, werden wir in der Lage sein, die schädlichen Auswirkungen des Atheismus, wie er sich insbesondere im Kommunismus zeigt, zu bekämpfen* und uns vorzubereiten auf den Tag, wenn G´tt Seine wahre Natur zeigen und in den Herzen der Menschen regieren wird.

*Die Biographie wurde in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschrieben.

 

Biographie von GEORGE M. LAMSA

George M. Lamsa, ein gebürtiger Assyrer und anerkannter Gelehrter der Heiligen Schrift, Dozent und Autor mehrerer Werke (F.R.S.A.) wurde in eine Zivilisation hineingeboren, deren Gebräuche, Gewohnheiten und Sprache fast mit denen zur Zeit Jesu identisch waren. Seine Heimatsprache war voll von ähnlichen Redewendungen und Gleichnissen, unberührt von der Außenwelt seit nahezu 1900 Jahren.

Bis zum Ersten Weltkrieg behielt sein Volk, das in jenem Teil der antiken biblischen Länder lebte, welches heutzutage als Kurdistan bekannt ist, in dem Urstromtal von Tigris und Euphrat das einfache Nomadenleben wie zur Zeit der Patriarchen bei. Erst mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts erfuhr dieser von der Außenwelt abgeschnittene Teil des einstigen Großassyrischen Reiches von der Entdeckung Amerikas und der Reformation in Deutschland.

Dabei war etwa bis zu derselben Zeit die uralte Kultur des frühen Christentums in der westlichen Hemisphäre so gut wie unbekannt und die (syrisch-)aramäische Sprache galt als ausgestorben. Doch in dieser so genannten „Wiege der Zivilisation“ hielten sich alte biblische Gebräuche innerhalb der semitischen Kultur, da sie von der übrigen Welt abgeschlossen waren.

Als Kind lernte Lamsa, die Schafe zu hüten. Doch als erstgeborener Sohn in seiner Familie wurde er von seiner g´ttesfürchtigen Mutter bereits im frühen Alter G´tt geweiht. Jahre nach ihrem Tod, als Lamsa 12 Jahre alt war wurde ihr Gelübde von einheimischen Stammesangehörigen erneuert, wobei ein Ochse geschlachtet und etwas von dem Blut auf seine Stirn gerieben wurde. Dieses Gelübde an G´tt, behauptet Lamsa, war allezeit ein Teil von ihm. Er bezeugt, dass G´ttes Hand unerschütterlich auf seiner Schulter war, um ihn in Seinem Werk zu leiten.

Lamsas Schulbildung begann unter den Priestern und Diakonen der ehrwürdigen Kirche des Ostens. Er schloss seine Studien mit den höchsten Auszeichnungen, die je vergeben wurden an den weiterführenden Schulen des Erzbischofs von Canterbury im Iran und in der Türkei ab, als Bachelor of Arts und Doktor der Theologie der Ostkirche. Lamsa war nicht verheiratet und widmete sein Leben G´ttes Berufung.

Bei Beginn des Ersten Weltkrieges, als die Türkei in den Krieg eintrat, verließ Lamsa das Land und ging nach Südamerika. Zu jener Zeit waren die Lebensbedingungen hart; die einzigen Wörter, die Lamsa auf Spanisch sagen konnte waren die Worte für Wasser, Arbeit und Brot. Er hielt sich, so gut er konnte über Wasser – eine Zeit bei der britischen Handelsmarine, im Schienenbau, im Bergbau sowie später bei Druckereien; dieses Handwerk hatte er früher während seiner Zeit im College gelernt.

Als er dann, Anfang zwanzig, in die Vereinigten Staaten ging, arbeitete er tagsüber als Drucker, während er abends studierte. Später ging er dann als Student an das Episcopal Theological Seminary in Alexandria, Virginia und an das Dropsie College in Philadelphia.

Im Zuge seiner Auseinandersetzung mit den Eigentümlichkeiten der englischen Sprache geriet er eigentlich erst in den Bereich seines „Lebenszieles“, der Übersetzung der Heiligen Schrift aus dem (Syrisch-)Aramäischen ins Englische. Doch es sollten noch Jahre vergehen, bevor die Welt seine Übersetzungen empfing.

Zunächst als Vortragsredner in Kirchen und Seminaren, in Vortragssälen und Auditorien, vor Staatsmännern, Theologen, Künstlergruppen, vor Schauspielern und anderen, erhielt Lamsa öffentliche Anerkennung als dichterischer Philosoph und als unbestreitbare Autorität in allen Bereichen der orientalischen Zivilisation.

Sein innerer Drang wie auch die zahllosen Anfragen seiner begeisterten Zuhörer brachten ihn schließlich dazu, nach 30 Jahren intensiver Arbeit, Forschung und ausgiebigem Studium, seine Übersetzung der „Holy Bible from the ancient Aramaic Language“, wie sie seit der frühesten Zeit von Christen  in Gebrauch war, herauszubringen. Es ist eine anerkannte Tatsache, dass Jesus und seine Jünger Aramäisch sprachen.

Es gab Zeiten, an denen die Arbeit an seinen Übersetzungen nicht voranzugehen schien, wenn für die spezielle Redewendung in den aramäischen Originalhandschriften keine passendes Wort im Englischen zu finden war. Lamsa berichtet, dass er nachts oft im Bett lag, „mit den (aramäischen) Buchstaben der Schriftstelle vor meinen Augen (er besaß ein photographisches Gedächtnis, mit dessen Hilfe er sich Kapitel für Kapitel den Text der Bibel merken konnte), als plötzlich die Übersetzung kam und die englischen Wörter an ihre Stelle fielen. (Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Ich entdeckte, dass die Worte in der Bibel Kraft besitzen, dass sie mit Heiligem Geist geladen sind. Alles andere kommt und geht irgendwann, doch G´ttes Wahrheit bleibt ewig.“

Es ist Lamsas feste Überzeugung, dass seine Übersetzung die Menschen näher zum wahrhaftigen Wort G´ttes bringen wird und dass sie helfen wird, das Verständnis zwischen dem Orient und dem Westen zu erleichtern.

 

Worte, die einander ähneln

Der Text der P´schittá                                                                                 Version der
Elberfelder Bibel von 1992

Genesis 30, Vers 8                              ethkaschpéth, Fürsprache einlegen für

                                                                        ethkathschéth, ringen mit

8 Und Rachél sagte, ich habe den H´rrn angefleht                       8 Da sprach Rahel: Kämpfe G´ttes habe ich mit mei-und bei meiner Schwester Fürsprache eingelegt …                          ner Schwester gekämpft, habe auch gesiegt …

 

Numeri 25, Vers 4                                            reschéj,  Oberhäupter

                                                                                reschéj,  Häupter (Köpfe)

4 Und der H´rr sprach zu Moses, Nimm alle Ober-                           4  Und der H´rr sprach zu Mose: Nimm alle Häupter häupter des Volkes und stelle sie zur vollen Tages-                        des Volkes und hänge sie vor dem H´rrn auf vor der zeit vor dem H´rrn auf …                                                                       Sonne auf …

 

Deuteronomium 32, Vers 33                       chímtha, Gift

                                                                                chámra, Wein

33 Ihr Gift ist das Gift von Drachen und das grau-                             33 Drachengift ist ihr Wein und grausames Vipern-same Gift von Vipern …                                                                            gift …

2. Samuel 4, Vers 6                                          chéta, sündig, frevelhaft

                                                                                chetéj, Weizen

6 Und siehe, sie kamen ins Innere des Hauses.                                 6 Und die (beiden) kamen bis ins Innere des Hauses, Dann nahmen diese Söhne des Frevels und er-                                            als wollten sie Weizen holen und stachen ihn in den

schlugen ihn in den Unterleib …                                                              Bauch …

 

2. Könige 4, Vers 28                                        tisch´ál, fragen

                                                                                t´schadál, verlocken, verleiten

28 Da sagte sie, Habe ich einen Sohn von mei-                                  28 Und sie sagte: Habe ich einen Sohn von meinem nem Herrn erbeten ? Habe ich nicht gesagt: Er-                          Herrn erbeten ? Habe ich nicht gesagt: Täusche mich bitte keinen Sohn für mich ?                                                                                nicht ?

 

Hiob 19, Vers 18                                               awaléj, g´ttlos

                                                                                eweléj, Neugeborenes, Kleinkind

18 Ja, selbst die G´ttlosen verachten mich; wenn                             18 Selbst Buben verachten mich. Will ich ich aufstehe, so sprechen sie gegen mich.                                                          aufstehen, so wenden sie sich von mir ab.

 

Vergleichende Verse

Übersetzung nach Lamsa                                                      Version der Elberfelder Bibel von 1992

Matthäus 6

13 Und lass uns nicht in Versuchungen geraten, sondern                          13 und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette erlöse uns von dem Bösen …                                                                                uns von dem Bösen …

Matthäus 27

46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus auf und sprach:                      46  um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit lauter    Elí, Elí, lemaná schabakthaní ! Das bedeutet: Mein G´tt, mein               Stimme auf und sagte: Eli, Eli lemá sabachtháni ? Das  G´tt, für dieses hast Du mich aufbewahrt !                                                         heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich                                                                                                                                                                 v                                                                                                                           verlassen ?

Matthäus 19

24 Wiederum sage ich euch, Es ist einfacher für ein Seil, durch                24 Wiederum aber sage ich euch: Es ist leichter, dass ein ein Nadelöhr zu gehen, als für einen Reichen, ins Reich G´ttes        Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in hineinzukommen.                                                                                                das Reich Gottes hineinkommt.

Exodus 20

5 Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen; denn Ich der                 5 Du sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen und ihnen H´rr dein G´tt bin ein eifernder G´tt …                                                             nicht dienen. Denn Ich, der HERR, dein Gott bin ein eifer-                             ü                                                                                                                            süchtiger Gott …

Hiob 12

5 Welcher bereitsteht, Verachtung und Ungerechtigkeit abzu-               5 Dem Unglück gebührt Verachtung, meint der Sichere, tun und wankende Füße zu stärken.                                                               ein Stoß denen, deren Fuß wankt !

Hiob 12

6 Die Zelte der Räuber werden hinweggetan, so auch die                         6 Die Zelte der Verwüster haben Ruhe, und Sicherheit Zuversicht all derer, die G´tt reizen; denn in ihrem Herzen                               gibt es für die, die Gott reizen, für den, der Gott in seiner gibt es keinen Gott.                                                                                    Hand führt.

Lukas 14

26 Wer immer zu Mir kommt und stellt nicht beiseite sei-                       26 Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen nen Vater und seine Mutter und seine Brüder und seine                             Vater und seine Mutter und die Frau und die Kinder und Schwestern und seine Frau und seine Kinder und selbst                          die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eige-sein eigenes Leben, kann nicht mein Jünger sein.                                      nes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.

Prediger 10

19 Brot und Wein sind geschaffen für die Freude und Öl                           19 Um zu lachen, bereitet man ein Mahl, und Wein erhei-macht das Leben fröhlich; doch das Geld bringt einen                   tert das Leben, und das Geld gewährt das alles.             nach unten und lässt ihn in allen Dingen in die Irre gehen.



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